Small City

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Small City

Nachdem nur wenige Tage zuvor eine bereits 2-3 Jahre altes Städtebauspiel am Tisch kläglich scheiterte und nach kurzer Zeit auf die „Kann weg und Platz im Schrank machen“ Liste gesetzt wurde, stand nun mit Small City etwas komplexerer Stoff ins Haus.

Erste Besonderheit: Das Spiel ist bei keinem Verlag erschienen, sondern vom Autor und einem Freund (soweit ich weiß) in Eigenregie veröffentlicht worden und über Kickstarter vorfinanziert. Dafür kann sich die Ausstattung durchaus sehen lassen. Es wird wahrscheinlich kein Designpreise bekommen, ist aber funktional wenn auch etwas fummelig, was aber dem Platz auf dem Tisch geschuldet ist.

Zweite Besonderheit: Die Box, lässt an den Videospiel Klassiker Sim City denken, was wohl auch gewollt ist und, soviel sei verraten, das Feeling kommt im Spiel auch auf.

Dritte Besonderheit: Hat man das Spiel erst mal einigermaßen auf dem Kasten, kann man zu zweit schon locker in 60 Minuten einen wahren Brainburner erleben. Denn ins Grübeln kommt man zwangsläufig, allein schon wegen der Puzzleelemente und den sich ständig gegenseitig beeinflussenden Bauten die man errichtet.

 

Aber alles auf Anfang: Ziel des Spieles ist es die meisten Wählerstimmen hinter uns zu vereinigen, um am Ende Bürgermeister zu werden. Wählerstimmen sind hier gleichbedeutend mit Siegpunkten. Diese erreiche ich über Bevölkerung, denn nur die gibt mir am Ende jeder Runde die Stimmen (sofern sie zu diesem Zeitpunkt zu Hause sind und nicht gerade zur Arbeit oder Shoppen), die ich benötige. Zusätzlich ist es wichtig die Umweltverschmutzung im Auge zu behalten. Denn zum einen können meine Wähler daran sterben und zum anderen wird der Grad der Umweltverschmutzung am Ende von meinen Siegpunkten wieder abgezogen, was oftmals zu einem bösen Erwachen führen kann.

Gottseidank kann man dagegen Luft reinigende Parks bauen. Aber was einmal dreckig ist geht rückwirkend nicht wieder weg.

Zu Beginn ziehe ich Karten mit Wahlversprechen. Darauf stehen bestimmte Ziele, die ich zu Spielende erfüllen muss und die mir je nach Schwierigkeit Punkte oder Minuspunkte einbringen können. Ich kann immer aus drei Schwierigkeitsstufen auswählen.

Runde 1 startet dann wie jede andere auch mit einer Rollenwahl. Der variable Rondellmechanismus macht die Sache überaus interessant. Ich schwanke: mit der Maklerin günstiger bauen?, Startspieler bleiben?, Bonusgeld?, und noch einiges mehr, schwierig. Zumal meine Wahl darüber entscheidet wie günstig oder eben nicht, meine Frau an das herankommt, was sie benötigt. Aber hey? Wir sind in Runde in 1. – Her mit der extra Finanzspritze.

Damit wären wir dann auch direkt im Geschehen. Wir bauen unseren Stadtteil. Zu Anfang haben wir ein bisschen Geld und unsere Stadtverwaltung mit 3 Minimeeples bevölkert, die auf dem Einwohnermeldeamt stehen und einziehen wollen.  Also benötigen wir Wohnraum. Aber die Herrschaften wollen auch shoppen gehen, und brauchen deshalb natürlich auch Arbeit. Kultur, Sicherheit etc. – alles will bedacht sein.

Aber erst mal das Dach über dem Kopf. Ein Stufe 1 Wohngebäude bringt genau einen Meeple unter und hat keinerlei Bauverpflichtungen. Ein 2er muss sich bereits in der Einflussphase von zwei öffentlichen Gebäuden befinden, und das geht mit steigender Größe immer so weiter. Gottseidank ist die Bezirksverwaltung bereits ein 1 öffentliches Gebäude. Also noch ein zweites kleines dazu und schon können wir ein zweier Wohngebiet bauen und etwas abseits davon ein 1er. Abseits davon macht Sinn denn man muß ja in die Zukunft planen. Die Gebäude stellt man sich in etwas wie bei Tetris vor, also es kann zu Schwierigkeiten kommen – durchaus. Die Baukosten für die Wohnungen in Form von 1$ pro Stufe, werden bezahlt und schon kommen die Bagger.

Kaum Downtime im Spiel denn das Bauen geschieht verdeckt und gleichzeitig. Ich lege nach dem Aufdecken kurz Rechenschaft ab, was ich wie gemacht habe und es kommt die Auswertung. Punkte, Umweltverschmutzung und Bonus vom Stadtrat abholen. Sehr praktisch.

Rollenwahl Runde zwei und ab gehts. Der Bürgermeister kommt immer zum amtierenden Startspieler und blockiert dort, zwei Baufelder, die vom Gegner ausgesucht werden dürfen. Böse, böse.

Mein Ziel dieses Mal Arbeitsplätze schaffen und bissel shoppen. Fabriken verschmutzen zwar, produzieren aber eben auch Rohstoffe, mit denen ich größere öffentliche Gebäude bauen kann (und nur damit). Sin am Ende einer Runde Felder auf Fabriken unbesetzt zeiehen neue Einwohner in meinen Stadtteil. Die Einkaufszentren, auf der anderen Seite, können nur wachsen wenn genügend Wohngebiete in ihrem Einflussbereich liegen.

Wachsen ist sowieso so eine Sache, die ich bedenken muss, denn Wachstum kostet nichts im Gegensatz zum Neubau. Also kommt eine Fabrik mit dazugehörigem Lager und ein Einkaufszentrum in den Stadtteil. Alle freuen sich. Meeples bewegen. Da alle noch in ihren Häusern sitzen, lasse ich ihnen nochmal einen freien Tag und besorge mir dadurch zwei neue Bewohner für Runde 3 (remember: 2 freie Slots auf Fabriken) und ein paar zufriedene Wähler – aber morgen wird gearbeitet!

In der Commercial Zone kann Geld verdient werden. So langsam wäre das nicht schlecht. Einer kann losziehen und 1$ in  die leere Kasse spülen. Leider ist dieses Feld damit für die nächste Runde gesperrt.  Größerer Gebäude handeln mit Rohstoffen oder tauschen diese um. Das ganze wird ähnlich eines Worker Placement Mechanismus angewählt.

Runde drei mit neuen Bürgern, denn es hat sich offenbar herumgesprochen, dass es hier Arbeit gibt. Und ein Dach über dem Kopf ist natürlich Grundvoraussetzung.

So wächst die Stadt, von Runde zu Runde. Produziert und verschmutzt, wandelt Ressourcen in Geld, schützt mich vor „bösen Pendlern der anderen Mitspieler. Es gibt noch ein paar Sonderfähigkeiten und Experten Regeln. Abgerechnet wird wie immer am Schluss. Habe ich den Umweltaspekt genug im Auge gehabt? Halte ich mein Wahlversprechen? Reichen meine Stimmen zum Bürgermeister? Und man mag es nicht glauben: Es gab ein Unentschieden zwischen mir und meiner Frau. Tja, Neuwahlen ansetzen würde ich sagen, und zwar bei der Güte dieses Spieles, auch in nicht allzu ferner Zeit.

Small City
  • Unsere Wertung: - 7.5/10
    7.5/10

Kurzfassung

PROS
- thematisch schön eingebunden graphisch wieder sehr schön
- nichts dabei, was die Regeln aus den Angeln hebt, es sind wirklich „nur“ Ergänzungen
- nicht explizit erwähnt, aber im Grunde modular aufgebaut
- kleiner Preis
- kein Glücksfaktor
- Sim City Feeling
CONS
- Anforderungen um die Lehrlinge einzustellen, können sehr untershciedlich gewichtet sein im Spiel.
- anfangs etwas mehr Downtime da man die Karten der neuen Meister und Gesellen nach der Prüfung sehr genau durchsehen muss um sich zu entscheiden, das gibt sich aber.
- ein paar neue Holzscheiben für jeden Spieler wären schön gewesen

7.5/10
Über Christoph 477 Artikel
Christoph, Ü40 Pädagoge und im Hobby leidenschaftlicher Brett- und Rollenspielfan. Comics und viele Sachbücher mit geschichtlichen Themen aller Art runden den Alltag ab. Am liebsten durchsetzt von verzerrtem Garage Rock aus den 60igern oder aktuell (aber verzerrt). Ehemals mit dem professionellen Verkauf von Spielen beschäftigt reicht das bloße am Tisch sitzen und spielen seit Neustem nicht mehr aus. Das Ergebnis sieht man hier. Ach so: Von Technik, keine Ahnung.

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