Raid on Taihoku

Generell finde ich es äußerst beeindruckend mit was für einem Mut und einer Kreativität asiatische Spieleentwickler in letzter Zeit ihre Titel veröffentlichten. Sicher ist allerdings natürlich auch dass nicht alles auch gleichermaßen für den europäischen Markt geeignet ist. Der deutsche Spielemarkt scheint mitunter noch etwas zurückhaltend zu sein, bei dem was er seinen Kunden vorsetzt.

Umso besser fühle ich mich auch im Nachhinein bei der Entscheidung, auf der diesjährigen Essener Spielemesse das kooperative Brettspiel Raid on Taihoku mitgenommen zu haben. Raid on Taihoku, welches Spieldesigner Teng Chieh-Ming in diesem Jahr beim taiwanesischen Verlag Mizo veröffentlicht hat, versetzt uns als Mitglieder einer Großfamilie ins Taiwan des zweiten Weltkrieges. Unsere Heimatstadt ist von den Japanischen Truppen besetzt und wird derzeit von den Allierten unter Bombenbeschuss genommen. Jeder Spieler agiert im Namen eines Familienmitgliedes, jedes im Stile eines Rollenspiels mit unterschiedlichen Werten betreffend der körperlichen Verfassung oder der Moral. Das Spielziel? Einfach nur die Zeit zu überleben bis die Bombenabwürfe enden. Das Spiel? Brutal ehrlich.

In meiner ersten Partie spielte ich den großen Bruder eines kleinen Mädchens, ohne Eltern in der zerstörten Stadt auf der Suche nach wichtiger Nahrung. Im unbändigen Willen meiner Schwester Schutz bieten zu wollen schmiss ich immer wieder vergammeltes Essen weg weil es mir nicht gut genug war. Stattdessen behielt ich einen Schutzhelm, welcher mein Inventar vollstopfte. Gemeinsam durchsuchten wir zusätzlich die Trümmer der zerbomben Stadt nach der kleinen Katze Peach. Neben den üblichen Bedürfnissen ist jeder Charakter auch noch mit einer weiteren Aufgabe ausgestattet. Als wir die Katze endlich fanden wurde uns bewusst dass unsere Vorräte nicht mehr ansatzweise reichen würden um das Ende des Bombardements zu erleben.

..und auch der Schutzhelm erreichte meine Schwester nie.

Sowohl die Illustrationen als auch die depressive Grundstimmung die von den Materialien ausgehen zogen uns sofort in ihren Bann. Einziges Problem: Die englisch übersetzte Anleitung ist inhaltlich eine Katastrophe und erfordert ein Update. Ich bin mir aber sicher ein Spiel erwischt zu haben welches so nicht nochmal den Weg nach Deutschland finden wird. Ein Spiel welches Spieler begeistern könnte die kooperative Spiele wie Pandemie mögen, aber auch nicht davor zurückschrecken sollten, tief deprimiert aus einem Spieleabend auszusteigen.

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