Airlines Europe

Die Lizenz zum Aviator und … zum echten Brettspieler

 

Airlines Europe Cover

In Airlines Europe möchten 2-5 Spieler in die verschiedensten Luftunternehmen Europas investieren, gezielt Streckennetze verbessern und erweitern, die einen Mitspieler mit ins Boot holen, die anderen wiederum blocken und aufhalten. Wir kaufen als Akteure nicht nur Fluglizenzen, sondern sichern uns im Laufe des Spiels und des Racings um die Kontrolle der Firmen auch Aktienanteile und wollen am liebsten in keiner der Fluggesellschaften den Anschluss verpassen. Aber wer will das nicht? Mit Airlines Europe schickt uns Alan R. Moon, allen Nasen gewiss durch Zug um Zug bekannt, nach seinem Vorgänger – einfach nur Airlines – zum zweiten Mal in die Luft. Gleichzeitig sind uns die Mechanismen des Spiels aus seinem älteren Klassiker Union Pacific bekannt, die er aber in diesem Spiel 2011 über den Abacus Verlag deutlich gestrafft hat, neu deutsch also „streamlined“ sind.

Wie können die Spieler an Siegpunktemarker kommen und ihr Aviation Management Schritt für Schritt nach vorne bringen? In einem Spielzug hat man eine von vier Aktionsmöglichkeiten:

  1. Der Spieler nimmt sich 8 Millionen aus der Bank. Mit diesem Geld ist man in späteren Zügen wieder flüssig und kann neue Flugzeuglizenzen kaufen. Diese Aktion sorgt vielleicht dafür, dass die Bank dich nicht auszahlen kann. So muss sie wohl oder übel gesprengt werden. Alle anderen Spieler müssen all ihr Geld bis auf 8 Millionen an die Bank zurückgeben, damit der Spieler seine 8 Millionen auch ausbezahlt bekommt.
  2. Der Spieler tauscht Aktienkarten aus seiner Hand gegen Karten der gesonderten Fluggesellschaft der Abacus Airlines. Die Abacus Airline ist die einzige Gesellschaft, für die man keine Strecke auf dem Spielplan baut. Es ist das einzige Unternehmen, deren Wertigkeit sich im Laufe des Spiels nie ändert.
  3. Der Spieler legt Aktienkarten aus seiner Hand aus und bekommt pro ausgespielte Karte 2 Millionen von der Bank. In diese Unternehmen ist man nun so richtig eingestiegen und hat umso mehr Interesse, dass sich deren Strecke auf dem Spielplan Europas verbessert und somit auch deren Aktienwert in die Höhe geht.
  4. Das Herzstück von Airlines Europe: Man investiert in 1-2 neue Fluglizenzen. Dafür setzt man eines der noch verfügbaren Flugzeuge des Unternehmens seiner Wahl auf einen noch leeren Flugplatz. Somit hat sich die Strecke um eine neue Route in Europa entwickelt. Die Investition der neuen Lizenzen werden Früchte tragen. Denn gleichzeitig steigt auch der Wert der Aktie der selbigen Airlines. Dies freut also nicht nur den Investor selbst, sondern auch alle anderen Aviator, die ein Wörtchen mitreden wollen. Zur Belohnung für das Investment zieht man aus dem Aktienmarkt, also dem allgemeinen Kartenvorrat eine der fünf offenen oder eine verdeckte neue Aktienkarte auf seine Hand.

Die farbigen Luftunternehmen, in die man in diesem Brettspiel sein Geld verbraten wird, kokettieren mit der einen oder anderen charmanten Referenz auf renommierte Spielverlage. So lautet die rote Linie etwa Days of Flying Wonders, die violette Lucky Hans Airways, die grüne, das frage ich mich schon seit Jahren, trägt den Namen FF Flys erinnert. Woran mich das nur erinnert? Hehe!

Airlines Europe hat absolut seinen Reiz und schlägt schon in der ersten Partie voll ein. Das Hand Management meiner Aktienkarten macht Spaß und das Ringen um die Mehrheiten, wenn einer der drei Stichtage ansteht, ist umso aufregender. Denn man weiß nie genau, wann eine der drei Blankokarten gezogen wird und der momentane Zwischenstand der ausliegenden Aktien gewertet wird. Dabei hätte man noch so gerne den perfekten Zug gemacht und Aktion 1, 2, 3 oder 4 ein weiteres Mal ausführen wollen! Der Push your Luck Effekt ist also, ob man es will oder nicht, enthalten. Aber es sorgt für Nervenkitzel und tut dem Spiel jedes Mal wieder sehr gut! Das Rennen um die Kontrolle der Airlines ist natürlich der Hauptgedanke des Spiels. In welche Unternehmen investiere ich am besten? Wenn ich etwa in die weißen Flugzeuge investiere, verhelfe ich damit auch unfreiwillig anderen zu Siegpunkten? Haben andere Spieler noch Aktienkarten der Lizenz auf der Hand, die sie gleich ausspielen werden? Das Spiel ist nun wirklich kein Strategiekracher. Die vier oben beschriebenen Aktionen, aus denen ich wählen kann, sind überschaubar. Ein Spiel, das also eher von Taktik geprägt ist. Es ist also schön zu wissen, dass Airlines Europe ein Familienspiel ist, das wunderbar mit der Schwiegermutter geht, aber auch mit dem Partner. Es ist einsteigerfreundlich, bietet tolle Übersichten und Spielerhilfen und ist aus meiner Sicht einer der Dooropener für Brettspiele. Airlines Europe kann man neben Zug um Zug da uneingeschränkt nennen. Alan R. Moon hat wohl das richtige Händchen dafür.  Aber der Vergleich mit Zug um Zug, von dem ich oft höre, ist unangebracht. Der integrierte, nicht unwesentliche Aktienmechanismus im Spielgeschehen macht es zu einem Mehrheitenspiel, bei dem man am liebsten von den vier Aktionen alle gleichzeitig machen möchte. So trifft man nicht selten eine harte Entscheidung und verpasst kurz vor einer neuen Wertung den goldenen Zug und damit wichtige neue Siegpunkte. Interaktion ist im friedlichen Maße vertreten, so dass man es aber eher noch als gehobenes Familienspiel als  ein Kennerspiel ansehen kann. Die Dummy Lösung für zwei Spieler, bei der in der dritten und finalen Wertung alle noch im Kartendeck und Ablagestapel befindlichen Karten ein dritter neutraler Spieler besitzt, hat mich anfänglich sehr stutzig gemacht. Aber: Es funktioniert! Dies kann man von Mehrheitenspielen zu zweit nicht oft behaupten. In der maximalen Spielerzahl von fünf Personen möchte ich es andererseits nicht mehr so oft aus dem Regal holen. Dafür dauert das Spiel dann doch zu lange.

Alles in allem wird es in einem schönen Design mit einem ansprechenden auf Retro gemachten Spielbrett einer Europakarte und unglaublich niedlichen Plastikflugzeuge präsentiert. Ein Gatewaygame, das ich immer wieder gerne vorschlage. Freunde, die keine großen Gamer sind, waren nach Erstpartien beeindruckt. Auch Mutter fragt oft nach einer neuen Partie mit den süßen Flugzeugen. Das muss ein Brettspiel erst mal schaffen: So zum Beispiel Airlines Europe. Wer nun Blut geleckt hat und sein Ticket buchen will: Viel Spaß beim Spiel und guten Flug!

Spieleranzahl: 2-5
Spieldauer: 75 min
Alter: 10+
Autor: Alan R. Moon
Grafiker: Christian Fiore

ABACUSSPIELE

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Airlines Europe
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Marco
Über Marco 4 Artikel

Marco, Ü30, in einem früheren Leben mal Theaterpädagoge, Hobbyschauspieler und Pokerturnierveranstalter, ist heute Lehrer und Nachhilfelehrer für die Fächer Latein, Spanisch und Französisch. Überwog früher noch die Leidenschaft Film & Theater, hat er sich seit über einem Jahr an etwas Geselligerem erfreuen können: den Brettspielen! Als Jugendlicher hat es natürlich mit Klassikern wie Monopoly, Risiko und Spiel des Wissens angefangen. Heute ist er ein selbsterklärter Eurospieler, der aber hin und wieder auch Konfrontation in Spielen mag und auch vor Karten-, Würfel- und Partyspielen nicht wegläuft. Ganz im Gegenteil!

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